Die unsichtbare Gefahr aus der Luft: Bayerns Wälder sind satt

11. Oktober 2017

„Zu viel Nitrat!“ - Umweltexperte Scheuenstuhl (SPD) schlägt Alarm.
In Bayerns Wäldern zeigt die Nitratkurve seit vielen Jahren immer weiter nach oben. Heute sind rund 80 Prozent aller bewaldeten Flächen im Freistaat mit Stickstoff soweit gesättigt, dass der Nährstoff nicht weiter vollständig aufgenommen werden kann.

Mit drastischen Folgen, wie der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Harry Scheuenstuhl, nun anmahnt: „Rund zwei Drittel des heimischen Trinkwassers wird aus unter Wäldern liegenden Grundwasservorkommen gewonnen. Durch den Sättigungsgrad der Bäume kommt es über das Sickerwasser zu sehr hohen Nitratkonzentrationen in Grund- und Oberflächenwasser.“ Laut Scheuenstuhl könne der Boden seine natürliche Schutzfunktion im Sinne des Bundesbodenschutzgesetzes §2 Abs. 2 nicht mehr erfüllen. „Die Filterfunktion des Waldbodens kann nicht alles richten. Das unterstreicht die Notwendigkeit, die Stickstoff-Emissionen zu verringern.“, so der 55-jährige Umweltingenieur aus Mittelfranken.

Die Intensive Landwirtschaft gilt zwar als Hauptverursacher der hohen Nitratkonzentrationen im Wasser, so Scheuenstuhl, in diesem Fall sei sie jedoch nicht unmittelbar beteiligt: „Das Nitrat kommt durch Luftverunreinigungen, die sogenannten Stickoxide, aus Verkehr und Industrie als Abbauprodukt in den Wald. Der Pflanzennährstoff wird dann, da im Überfluss vorhanden, jedoch schnell zum Problemstoff und gelangt durch Auswaschung in unser Wasser.“, betont Scheuenstuhl. Ein weiteres Problem: Noch immer bestimmen Nadelbäume das Waldbild in Bayern. Die Fichte ist mit einem Gesamtanteil von 44 Prozent die häufigste Baumart im Freistaat, gefolgt von der Waldkiefer mit 19 Prozent. Der Umweltexperte erklärt: „Insbesondere alte, gesättigte Nadelbäume geben große Mengen Stickstoff ins Grundwasser ab. Laubbaumbestände haben eine geringere Stickstoff-Deposition und können insgesamt mehr Stickstoff aufnehmen.“ Die Filterwirkung von Laubbäumen sei laut Scheuenstuhl ebenfalls stärker. „Blätter zersetzen am Boden deutlich schneller als Nadeln, die Humusschicht unter Laubwald ist daher mächtiger und kann mehr Stoffe aufnehmen, die somit nicht in unser Wasser gelangen können.“
Neben der unumgänglichen Reduzierung solcher Luftschadstoffe, hier bedarf es einer wirkungsvollen Minderungsstrategie, schlägt der Landtagsabgeordnete als mögliche Gegenmaßnahme den rechtzeitigen Waldumbau belasteter Flächen vor: „Der Laubbaumanteil sollte in Risikogebieten auf mehr als 50 Prozent gesteigert werden.“, sagt Scheuenstuhl abschließend.

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