Besuch des Wasserwerkes der Reckenberg-Gruppe in Wassermungenau

23. Juli 2018

Wegen Nitrat: Landtagsabgeordneter Harry Scheuenstuhl (SPD) erkundigt sich gemeinsam mit Fachleuten nach Situation der Trinkwasserversorgung in Westmittelfranken

Bei einem gemeinsamen Besuch des Wasserwerkes der Reckenberg-Gruppe in Wassermungenau (Lk. Roth) konnte sich der Landtagsabgeordnete und Umweltexperte Harry Scheuenstuhl (SPD), über aktuelle Themen der Trinkwasserversorgung in Westmittelfranken informieren. Anlass des Besuchs waren die vom bayerischen Umweltministerium herausgegebenen und jüngst diskutierten Nitrat-Werte des Rohwassers einiger mittelfränkischer Wasserversorger. Auf Einladung des Abgeordneten nahmen auch Thomas Keller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, Wolfgang Kerwagen, Leiter des Ansbacher Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Rainer Erdel, 1. Bürgermeister von Dietenhofen an der Gesprächsrunde teil.

Wie Werkleiter Friedrich Zapf bei einer kurzen Einführung berichtete, erstreckt sich das Verbandsgebiet der im Jahr 1963 als Zweckverband gegründeten Reckenberg-Gruppe auf insgesamt 750 km² in drei Gebietskörperschaften, dem Landkreis Ansbach, dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sowie dem Landkreis Roth. Mit einer jährlichen Wasserabgabe von 6,5 Millionen Litern versorgt das Wasserversorgungsunternehmen insgesamt 48.000 Einwohner direkt, sowie weitere 100.000 Einwohner indirekt durch Weiterverteiler. Aufgrund einer Kooperation mit der Fernwasserversorgung Franken (mit Sitz in Uffenheim) erhalten auch Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ihr Wasser aus Wassermungenau.

Bei der Aufbereitung zu Trinkwasser setzt der Versorger auf ein 2-stufiges mechanisches Verfahren und verzichtet eigenen Angaben zufolge gänzlich auf chemische Aufbereitung wie eine Chlorung des Wassers. „Das abgegebene Trinkwasser hält alle Grenzwerte ein und hat eine sehr gute Qualität.“, erklärte Zapf.
Grundlage hierfür bilden unter anderem die freiwilligen Kooperationsvereinbarungen zwischen Landwirten und Wasserversorgern in der Region. „Das Kooperationsmodell startete bereits vor rund 20 Jahren als Gemeinschaftsprojekt der Reckenberg-Gruppe, den Stadtwerken Ansbach und der Fernwasserversorgung Franken und führt seitdem nachweislich zu einer Senkung der Nitratwerte im Rohwasser um 5 bis 20 Milligramm pro Liter. Jeder Landwirt der mit uns zusammenarbeitet, verpflichtet sich unter anderem zu einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung seiner landwirtschaftlich genutzten Flächen im Wasserschutzgebiet und erhält dafür eine Entschädigungsleistung von 80 Euro pro Hektar und Jahr.“, so der Werkleiter weiter.

Neben diesem Grundpaket bietet der Wasserversorger elf weitere Zusatzpakete an, die allesamt ausreichend vergütet werden. So kann ein Landwirt vom Wasserversorger jährlich bis zu 538 Euro pro Hektar z. B. für die gezielte Ansaat einer Blühfläche mit anschließender Zwischenfrucht erhalten, ohne dabei auf staatliche Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen (Agrarumweltmaßnahmen | Kulturlandschaftsprogramm) verzichten zu müssen. Insgesamt 52 Landwirte stehen aktuell als Partner unter Vertrag und bewirtschaften insgesamt 770 Hektar Land. „Da wir ein großer Wasserversorger sind, belaufen sich die Mehrkosten für den Endkunden auf rund einen Cent pro Kubikmeter Wasser.“ Gerade im Hinblick auf die er-höhte Nitratbelastung außerhalb der Wasserschutzgebiete unterstrich Zapf die Bedeutung eines flächendeckenden Grundwasserschutzes. Als „wichtig und aktuell“ bezeichnete er deshalb die Debatte rund um den Pflanzennährstoff Nitrat. Zapf sprach diesbezüglich von zwei sich überlagernden Problemfeldern: Seit 2009 hat sich die Anzahl an Biogasanlagen in Westmittelfranken um 36 Prozent (2017) erhöht. Die Maisanbaufläche hat sich in Westmittelfranken seit 1995 ebenfalls um 74 Prozent (2016) erhöht. Wolfgang Kerwagen bezeichnete diesen Umstand als „Stagnation auf hohem Niveau“ und zeigte in diesem Zusammenhang Unverständnis darüber, dass das Szarvasi-Gras, eine mehrjährige Energiepflanze und Biogassubstrat, als Mais-Ersatz nicht durch das EU-Greening berücksichtigt werde. Entsprechende Untersuchungsergebnisse der Reckenberg-Gruppe haben gezeigt, dass die aus Ungarn stammende Grasart die Nitratbelastung im Boden nachhaltig reduzieren kann.

Düngeverordnung als weiterer Gesprächsschwerpunkt

„Ob die neue Düngeverordnung in Bezug auf die Belastung mit Nitrat tatsäch-lich Abhilfe schaffen kann, bleibt abzuwarten. Ich hoffe es jedenfalls.“, so der Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl. In vielen Teilen Westmittelfrankens, insbesondere im gesamten Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim und im westlichen Ansbacher Landkreis, gelten aufgrund hoher Nitrateinträge bald zusätzliche Einschränkungen bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Eher skeptisch äußerte sich Werkleiter Friedrich Zapf. Seiner Wahrnehmung nach sei die neue Düngeverordnung wohl „nicht ausreichend“ um eine merklichen Rückgang der Belastung zu forcieren. Thomas Keller vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach pflichtete der angesprochenen Nitrat-Problematik bei, der neuen Düngeverordnung sollte man jedoch zwei bis drei Jahre Wirkdauer einräumen. Dies fand Zustimmung bei allen Teilnehmern. Zugleich verwies Keller auf weitere Herausforderungen für Menge und Qualität des heimischen Wassers: Neben einer schlechteren geologischen Ausgangslage, das Wasser wird in den hiesigen Böden wesentlich schlechter gespeichert als andernorts, fällt im Norden Bayerns aufgrund klimatischer Veränderungen wesentlich weniger Regen als im Süden.
MdL Scheuenstuhl fügte an: „Einerseits die Häufung von Unwettern, starken Niederschlägen und Hochwassern, andererseits dann Temperaturen in Rekordhöhen und außergewöhnliche Dürreperioden. Wasserknappheit wird zum zentralen Problem - Langfristig zeichnet sich ein Nutzungskonflikt ab.“ Bürgermeister Erdel plädierte für eine breitflächige Diskussion und einen verantwortungsvolleren Umgang mit der wichtigen Ressource Wasser. Als ausgebildeter Landwirt betrachtet er die verkürzten Dünge-Ausbringungszeiten, insbesondere hinsichtlich der immer häufiger auftretenden Starkregenereignisse, durchaus problematisch. Kerwagen versicherte, dass sich die Landwirte, als größte Flächennutzer im Freistaat, ihrer Verantwortung bewusst sind. Er sei sich jedoch sicher, dass die neuen Anforderungen der Düngeverordnung Verbesserungen herbeiführen werden. MdL Scheuenstuhl fügt an: „Jeder Bürger und jede Bürgerin kann sicher sein, dass das Wasser, das letztlich aus der Leitung kommt, frei von Schadstoffen ist. Das ist aber kein Automatismus, dafür müssen unsere Wasserversorger und ihre Partner viel leisten.“

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat in der Zwischenzeit mitgeteilt, dass ein neuer Nitrat-Bericht derzeit zur Freigabe am Staatsministerium von Dr. Marcel Huber liegt. Die Freigabe wird in Kürze erfolgen und der Bericht anschließend zur Verfü-gung gestellt. „Wir bleiben dran und dürfen gespannt sein, welche Ergebnisse der neue Bericht bringt.“, so Scheuenstuhl.

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