„In Rehau hört man vieles zum ersten Mal“

03. November 2015

Stadt- und Landkreis Hof sind nach Meinung des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Adelt in Sachen Energiewende und Umweltschutz nicht nur eine deutschlandweite Vorreiterregion, sondern auch ein wichtiger Kompetenzstandort, dem bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende eine Schlüsselrolle zukommt. Grund genug für Adelt seine Kollegen aus dem Umweltausschuss, die SPD-Abgeordneten Harry Scheuenstuhl und Herbert Woerlein, in seinen Stimmkreis einzuladen.

Bioenergie

Die erste Station dieses Informationsbesuchs führte die SPD-Delegation zur Firma SÜDLEDER GmbH & Co. KG nach Rehau. Weder die rote Backsteinfassade, die an die Anfänge der Industrialisierung erinnern, noch das hier hergestellte Naturprodukt Leder deuten zunächst darauf hin, dass genau hier in Sachen Energiewende und Umweltschutz Geschichte geschrieben wird. Die Umweltpolitiker der SPD-Landtagsfraktion staunten daher nicht schlecht als ihnen Mit-Geschäftsführerin Frau Dr. Beate Haaser das Rehauer Unternehmen mit seinen ca. 260 Mitarbeitern nicht nur als eine der größten Gerbereien Europas vorstellte, sondern auch als weltweit erste energieautarke Lederfabrik. Die organischen Abfälle aus der Lederproduktion werden in der eigens errichteten Bioenergieanlage in Biogas und schließlich in drei Blockheizkraftwerken in Wärme und Energie umgewandelt, die wiederum für die Produktion benötigt werden. Ein in sich geschlossener Kreislauf, der das Unternehmen am Standort Deutschland wettbewerbsfähig hält und obendrein auch etwa 5500 Tonnen CO2-Emissionen jährlich einspart. „Wir lösen ein Umweltproblem und erzeugen daraus Energie“, so Eric Priller kurz und bündig, der Geschäftsführer der Firma REHAU Energy Solutions GmbH, der die Bioenergieanlage maßgeblich geplant und bautechnisch umgesetzt hatte. Heute ist die Anlage Teil des Bioenergiezentrums Hochfranken, das darüber hinaus aus einer Bioabfallvergärungsanlage, einer Biogasanlage, einem Biomethan-Blockheizkraftwerk und einem Nähwärmenetz in und um Rehau besteht. Dieser Verbund erzeugte Anfang dieses Jahres bereits 76.000 Megawattstunden Strom und Wärme, womit rund 40% des Energiebedarfs von Privathaushalten und Industrie durch regenerative Quellen in Rehau – einer der industriestärksten Gemeinden Bayerns – abgedeckt wurden. Damit hat Rehau bereits im Jahr 2015 das erreicht, was die Bundesregierung für 2025 als qualitatives Ziel der Energiewende ausgegeben hat. Neben der Bioenergieanlage hat es insbesondere die Bioabfallvergärungsanlage der RSB Bioverwertung Hochfranken GmbH in sich: Dank eines hochinnovativen patentgeschützten Verfahrens namens WastERGY® ist die Anlage, effizienter als andere. Sie kann mehr Bioabfälle umwandeln und erzeugt so 25% mehr Gas als die Anlagen anderer Hersteller. „Wir vergären alles“, hält Priller fest.

„Das habe ich so noch nicht gehört“, zeigte sich der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Harry Scheuenstuhl, während den Ausführungen von Frau Dr. Haaser und Herrn Priller mehrmals beeindruckt vom Gesamtkonzept des Bioenergiezentrums, worauf Adelt seinem Kollegen entgegnete: „In Rehau hört man viele Dinge zum ersten Mal.“ Die zweite Station führte die SPD-Politiker nach Wurlitz zur Obstpresse von Manfred Penzel. Der Landwirt bereitete dem Politikertross mitsamt Familie einen herzlichen und warmherzigen Empfang. Nachdem der Hausherr den Abgeordneten die Funktionsweise seiner Obstpresse erläuterte und anschließend zur Verkostung eines frisch zubereiteten Apfel-Birnen-Saftes einlud, machten die Politiker schließlich gemeinsam mit der Familie Brotzeit. Dabei kamen auch ernste Gespräche auf den Tisch. Das Fördergefälle zwischen landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen und Oberfranken, wurden ebenso thematisiert, wie die überbordende Bürokratie im Zuge des Greening. Kritik, die bei den Abgeordneten ankam und ihrerseits zusagten, in Sachen Bürokratieabbau verstärkt tätig zu werden. Auf offene Ohren stieß vor allem ein ganz persönliches Anliegen von Manfred Penzel. Die Natur, die gesunde Lebensweise und Nachhaltigkeit. Dinge, die aus seiner Sicht in der Schule eine unverdientermaßen untergeordnete Rolle spielen. Die Kinder bräuchten mehr Lebenspraxis in der Natur und weniger Theorie. Die Besuche von Schul- und Kindergruppen bei ihm auf der Streuobstwiese zeige, so Penzel, dass Kinder Freude daran haben in der Natur über die Natur zu lernen.
Die dritte und letzte Station der kurzen Bereisung führte die Abgeordneten schließlich in die Hofer Dienststelle des Landesamts für Umwelt, wo sie von Vizepräsident Dr. Richard Fackler und den Abteilungsleitern der in Hof ansässigen Referate freundlich begrüßt wurden. Gemeinsam mit den LfU-Vertreter diskutierten die Abgeordneten über Themen wie Landschaftspflege, Bodenschutz und Wasserqualität. Auch ein kurzer Blick in die Hochwasserwarnzentrale, die für den Main zuständig ist, durfte dabei nicht fehlen. Klaus Adelt bedankte sich am Ende bei Dr. Fackler für den freundlichen Empfang. „Das Landesamt für Umwelt ist ein Segen für Hof und ein gutes Beispiel dafür, welch nachhaltige und positive Effekte Behördenverlagerungen im ländlichen Raum haben können.“

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