Glyphosat - Segen oder Teufelszeug

04. Dezember 2015

Der Umweltpolitische Sprecher der BayernSPD Landtagsfraktion Harry Scheuenstuhl bezieht Stellung im Plenum zu dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat, das in der Landwirtschaft weitverbreitete Anwendung findet. Hier seine Rede im Bayerischen Landtag (der Text steht unter "Mehr"):

<https://youtu.be/dyU9-YHh_XY>

Sehr geehrte Präsidenten, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Deutschland ist bei der Bewertung des Wirkstoffes Glyphosat Berichterstatter für die Europäische Union und trägt maßgeblich dazu bei, ob das Pflanzenschutzmittel über Juni 2016 zugelassen bleibt. Das BfR übernimmt hierbei die gesundheitliche Risikobewertung des Pflanzenschutzmittels. Mit Verwunderung habe ich vor geraumer Zeit von der Einstufung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erfahren. 700.000 Tonnen des Wirkstoffs werden weltweit pro Jahr eingesetzt. Rund 6.000 Tonnen davon in Deutschland. Glyphosat ist rund um den Globus, das am meisten eingesetzte nichtselektives, systemisches Breitbandherbizid und umgangssprachlich besser bekannt unter dem Handelsnamen Roundup.

Das Problem an dem Mittel: Es steht seit geraumer Zeit im Verdacht, krebserregend zu sein. Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Juli 2015 den Wirkstoff Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“ eingestuft. Das BfR wiederum, relativiert die Einstufung seitens der WHO, gibt den Wissenschaftlern der WHO in einer internen Stellungnahme, die im Oktober an die Öffentlichkeit gelangt, jedoch in Teilpunkten Recht. Diese völlig unterschiedlichen Einschätzungen zwischen der WHO und dem BfR resultieren wohl aus verschiedenen Bewertungsansätzen. Während die WHO glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel mit krebserzeugendem Gefahrenpotential identifiziert, untersucht das BfR in ihrer Risikobewertung für die EU lediglich den reinen Wirkstoff Glyphosat, berücksichtigt dabei aber die reale Aufnahmemenge bei bestimmungsgemäßer Anwendung. Das BfR kommt bei der Beurteilung des gesamten glyphosathaltigen Cocktails – das eingesetzte Produkt -, jedoch ebenfalls wie die WHO zu dem Schluss, dass der Wirkstoff „wahrscheinlich krebserzeugend“ sei. Nichts desto trotz gibt das BfR am 30. Oktober dieses Jahres eine finale gesundheitliche Bewertung an die EU, mit dem Ergebnis, dass bei sachgerechter Anwendung von Glyphosat keine krebserzeugenden beziehungsweise erbgutverändernden Risiken für den Menschen zu erwarten sind. Und nun lese ich einen Protestbrief von 96 Wissenschaftlern, allesamt Fachleute mit internationaler Reputation, die der EU, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und dem BfR „wissenschaftlich unakzeptable“ Wirkstoffbewertung vorhalten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Eine abschließende Klärung der Frage, ob glyphosathaltige Herbizide das Krebsrisiko bei Menschen erhöhen, bleibt zwar unbeantwortet. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass der Wirkstoff Glyphosat wohl nicht grundlos im Fokus einer solch kontrovers geführten Debatte steht! Erinnern wir uns doch zurück an die 80er Jahre. Im Jahr 1986 kam es zu einer ökologischen Katastrophe, als 400 Liter eines atrazinhaltigen Pflanzenschutzmittels in den Rhein gelangten und dabei ein massives Fischsterben ausgelöst wurde. 5 Jahre später, 1991, wurde ein Anwendungsverbot für die BRD erwirkt. Und noch heute lassen sich Reste des Wirkstoffs in der Umwelt feststellen. Auch damals wurde erklärt, dass das Mittel nicht in das Grundwasser gelangt und ungefährlich ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Genauso wird es uns unter Umständen mit Glyphosat ergehen, wenn wir weiter tatenlos zuschauen.

Was für den Wirkstoff Glyphosat bereits heute feststeht: Der großflächige Einsatz von Herbiziden dieser Art führt zu einer Verschlechterung der biologischen Vielfalt innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen Deutschlands.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass aus Nachhaltigkeitsgründen ha weise Äcker totgespritzt werden. Hier müssen andere Methoden gefunden werden. Außerdem ist Glyphosat ein Wasserschadstoff. Bereits jetzt lassen sich der Wirkstoff und seine Abbauprodukte in einer Vielzahl heimischer Oberflächengewässer nachweisen. Die dort lebenden Fische werden jedoch von Glyphosat, Nitrat, Phosphat, Gülle, und Mikroplastik traktiert oder umgebracht. Die Folge ist, dass rd 85 % der 80 Bayerischen Fischarten auf der Roten Liste der massiv bedrohten Arten. beimischen Fischart Name Fischereivorsitzender Professor Albert Göttle Bei einer stichprobenartigen Untersuchung in mehreren deutschen Großstädten wurde Glyphosat in sieben von zehn Urinproben nachgewiesen. Glyphosat-Rückstände finden sich beispielsweise auch in Haferflocken, Mehl oder Brötchen. Bei einer weiteren Untersuchung wurde schließlich festgestellt, dass sich Rückstände des Totalherbizids ebenfalls in Muttermilch finden lassen.

Werte Kolleginnen und Kollegen, Können wir das alles wirklich verantworten? Nicht ohne Grund setzen sich acht der 16 Bundesländer auf Bundesebene bereits für eine Einschränkung des Glyphosat-Einsatzes in der Landwirtschaft ein.

Auch Kommunen verzichten bereits auf den Einsatz. Es tut sich also etwas.

Beim Gesundheitsschutz sollte meiner Meinung nach das Vorsorgeprinzip gelten – wie im zum Beispiel im Wasserrecht.

Es gibt begründete Zweifel und dies sollte im Augenblick für ein wirksames Verbot in Teilbereichen langen. Der Preis der Untätigkeit könnte zu hoch sein, als das wir im Moment eine Wahl hätten, uns gegen ein solches vorsorglich wirkendes Einsatzverbot in des Wirkstoffs Glyphosat zu stellen. Leider halten wir den Antrag der Grünen nicht für den geeigneten Weg. Ein sofortiger Stopp der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen auf Freilandflächen, die weder gärtnerisch noch landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt werden, würde wohl die Deutsche Bahn am meisten treffen, denn sie ist Hauptnutzer der erteilten Ausnahmegenehmigungen und verwendet das Mittel für die Reinhaltung der Gleiskörpern. Aus diesem Grund haben wir einen eigenen Antrag nachgereicht, der unserer Ansicht nach geeigneter ist und enthalten uns beim Antrag der Grünen. Dem Berichtsantrag der Freien Wähler stimmen wir zu. Es gibt nie genug Informationen für einen guten Entscheidungsweg.

In unserem Antrag fordern wir, dass: - ein grundsätzliches Verbot der Anwendung von glyphosathaltigen Herbiziden zur Ernteerleichterung in Beständen (Sikkation) erlassen wird, - eine maximale Ausbringmenge auf landwirtschaftlich genutzten Flächen von 2.000 Gramm auf unbestellten Ackerflächen bzw. im Vorauflauf befindlichen Kulturen innerhalb von drei Jahren je Hektar festgelegt wird, - dies wäre eine sofort wirksame wesentliche Reduzierung - - ein Verbot des Handels und der Anwendung von Glyphosat für den Privatbereich erlassen wird und - ein Verbot für die Anwendung auf öffentlichen Wegen und Plätzen erlassen wird.

Die Argumentation der CSU, „alle Mittel die nach einem Verbot von Glyphosat kommen, werden für die Umwelt noch schlimmer sein“, kann ich nicht akzeptieren. .

Sehr geehrte Frau Ministerin Scharf, wenn ich Sie sinngemäß zitieren dürfte: „Denn wir müssen auch den Umweltschutz lokal, regional und global denken. Sagen Sie ja zu Bayern, sagen Sie ja zu unserer Natur und schützen Sie unsere großartige Bevölkerung!“  Übernommen aus der Rede der Ministerin zum Thema Klimaschutz, musst du nicht übernehmen:-D

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

  • 26.06.2016, 12:00 – 14:30 Uhr
    Bergauf-Tour mit Andrea Nahles | mehr…
  • 01.07.2016, 18:30 Uhr
    Dialogforum#NeuesMiteinander: Raus ins Grüne! Kleingärten als Integrationsorte für die Stadtgesellschaft | mehr…
  • 03.07.2016, 11:00 – 15:00 Uhr
    Bergauf-Tour mit Thorsten Schäfer-Gümbel | mehr…

Alle Termine

Die bayerische Schuldenuhr tickt ohne Pause. Zinsen für die BayernLB:

2.232.149.992 €

  • Pro Tag: 977.621,92 €
  • Pro Stunde: 40.734,25 €
  • Mehr erfahren